Den Spaß an Bewegung wiederentdecken

Eigentlich ist es pure Ironie: Obwohl wir oft das Gefühl haben, geradezu durch unser Leben zu sprinten, kommt die körperliche Bewegung im Alltag meistens viel zu kurz. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 60 Minuten körperlicher Aktivität pro Tag – für die meisten von uns ist das weit entfernt von der Realität.

Bewegungsmangel ist dabei kein Phänomen bei Erwachsenen, sondern betrifft oft schon die Kleinsten. Mehr als zwei Drittel der Kinder im Alter zwischen drei bis 17 Jahren bewegen sich weniger als die empfohlene Stunde am Tag, so ein Ergebnis der europaweit größten „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGs). Die Ursachen für den Bewegungsmangel liegen vor allem im vielen Sitzen: Kinder sitzen vormittags in der Schule, nachmittags vor dem Handy oder Computer und abends oft vor dem Fernseher. Übergewicht, Diabetes, Gelenkbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die uns allen wohlbekannten Langzeitfolgen.

Schon Kinder haben Rückenschmerzen durch fehlende Bewegung

Die Verkümmerung der Muskulatur kann zu Haltungsschäden und Fehlstellungen der Wirbelsäule führen, die ersten Anzeichen machen sich dabei schon früh bemerkbar: Bei der KiGGs-Befragung antworteten mehr als drei Viertel der 11- bis 17-Jährigen mit Ja auf die Frage, ob sie in den vergangenen drei Monaten Schmerzen gehabt hätten. Fast die Hälfte davon gab an, unter Rückenschmerzen zu leiden. Die Tatsache, dass viele Kinder keinen Purzelbaum mehr können und zudem oft bereits körperliche Beschwerden haben, ist dabei noch nicht alles. Die nachlassende Motorik bei Kindern zeigt sich zum Beispiel auch in einer immer schlechter werdenden Handschrift. Vor allem der Zusammenhang zwischen Muskulatur und Gehirn wird häufig stark unterschätzt: Bewegung fördert Konzentration, Leistungsfähigkeit und die geistige Entwicklung.

Yoga macht Körper und Geist geschmeidig

Damit Kinder den Spaß an der Bewegung wiederentdecken, hilft es, wenn die Erwachsenen mit gutem Beispiel vorangehen. Ein aktives Familienleben mit gemeinsamer sportlicher Aktivität, wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen, stärkt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Bindung zwischen Eltern und Kindern.

Eine Möglichkeit, für körperliche und geistige „Geschmeidigkeit“ zu sorgen, die uns natürlich besonders am Herzen liegt, ist Yoga. Yoga betrachtet als ganzheitliche Philosophie Körper und Geist als untrennbare Einheit und wirkt auf vielen verschiedenen Ebenen. Durch regelmäßige Kombination von körperlichen Übungen (Asanas) mit Atem- und Entspannungstechniken wird die Haltung verbessert, die Muskeln gelockert und gestärkt, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit gesteigert und zudem der Umgang mit Stress verbessert. Yoga schärft das Bewusstsein dafür, wie gut sich Bewegung anfühlt und fördert so die Entwicklung gesunder neuer Gewohnheiten für die ganze Familie. Melde dich und dein Kind zu einem Kinder- oder Familienyogakurs an – oder integriere einfache Yoga- und Entspannungsübungen in deinen Alltag. Kinder lieben gemeinsame Rituale, und Erwachsene tun sich ganz nebenbei auch selbst etwas Gutes.

Mehr Körpergefühl und Konzentration durch die Yogaübung „Baumpose“

Eine wunderbare Yogaübung für Körpergefühl, Selbstwahrnehmung, Konzentration und Balance ist der Baum. Im Folgenden findest du eine Anleitung, mit der du den Baum ganz einfach zu Hause üben kannst.

Photo Credit: Maggie Simon

Stell dir vor, du bist ein Baum. Dein linkes Bein ist der Baumstamm, der linke Fuß verwurzelt sich in die Erde. Verlagere dein ganzes Gewicht auf dein linkes Bein. Lass deinen rechten Fuß zunächst auf der Erde, um für die Balance zu sorgen. Schließe die Augen und stell dir vor, wie deine Wurzeln aus der linken Fußsohle wachsen und sich immer tiefer in die Erde hineinbohren. Dort finden sie Wasser und Nährstoffe und ziehen diese hinauf, um dich zu nähren. Mit diesen Nährstoffen kannst du wachsen und richtig groß und stark werden.

Nun hebe deinen rechten Fuß an und stütze ihn entweder gegen dein linkes Fußgelenk, die Knie oder die Oberschenkel (Oberschenkel sind am schwierigsten). Bring die Handflächen vor deiner Brust zusammen und finde die Balance.

Jetzt wachsen dir Äste und Zweige: Deine Arme, der Kopf, deine Finger. Deine Äste wachsen Richtung Sonne. Stell dir vor, dass Blätter und Blüten aus deinen Armen, deinem Kopf und deinem Gesicht kommen. Welche Farbe haben deine Blüten? Was für ein Baum bist du?

Du wächst weiter, auch deine Wurzeln wachsen immer tiefer. In 50 oder sogar 100 Jahren wirst du noch immer hier sein – von der Erde, dem Regen und der Sonne genährt. Du bist ein mächtiger Baum, stark und schön. Fühle, wie stark du bist, und halte die Balance für einige Minuten. Dann wiederhole die Übung auf dem anderen Bein.